Gruml - Spieletests sind auch nicht mehr das was sie mal waren..
Aber zurück zu Anfang: neben C&C3 und NWN2 war ich auf der Suche nach einem schönen Hack&Slay.
Durch blättern in diversen Spielezeitschriften ist mir Silverfall aufgefallen - schöne Grafik, einfaches Hack&Slay, wenn auch mit leichten Abschnitten durch die blöde Kameraführung. Eine Wertung im Bereich um 80. Eigentlich sollte es bedeuten, dass das Spiel generell spielbar sein sollte.
Nach einer ewig langen Installation unter Windows Vista (liegt unter anderem an der über 700MB großen setup.exe - dadurch kommt die UAC-Abfrage sehr verzögert) erstmal den aktuellen Patch 1.6 runtergeladen - mit fast 100MB ein großer Happen. Was der Patch genau alles behebt, bleibt unklar..
Nach der obligatorischen Charakterauswahl kommt ein schönes Intro welches den Spieler schön einbindet. Aber eins fällt sofort auf: die Kameraführung. Für jede Kamerabewegung muss man mit der Maus an den Bildschirmrand fahren (sehr sinnig wenn man mit der Maus auf den Gegner zielen muss) oder die Cursor-Tasten bemühen. Das dann noch die Bewegungssteuerung des Charakters von der Kamerabewegung abhängig ist macht es noch schlimmer.

Dafür ist die Grafik wirklich 1A und ein richtiger Augenschmaus
Nachdem Intro mit einem Meistermagier landet man mit seinem gewählten Charakter im Sumpf und darf die ersten Quests annehmen. Sofort fällt wieder die Kamera negativ auf - man bewegt sich im kleinem Außenposten x-mal im Kreis. Auch die reine Bewegungssteuerung über die Maus ist sehr gewöhnungsbedürftig - inbesondere wenn Hindernisse im Weg stehen.
Direkt nach der Questannahme geht es in die unsicheren Sumpfgebiete. Ein paar Mobs später fragt man sich warum es eigentlich als Schwierigkeitsstufen Normal und zwei schwerere gab. Relativ schnell liegt man tot da und landet im Außenposten ohne Ausrüstung wieder. Wie in Diablo muss man seine Ausrüstung am Leichnam aufsammeln. Nur hat damals Blizzard ein wenig mit gedacht. War damals der Weg zur Leiche mal zu schwer, konnte man mit dem Charakter ausloggen und wieder einloggen - schon lag die Leiche im Posten. In Silverfall hingegen wird der Grabstein regelrecht von den Gegnern die einen tot gehauen haben becampt (also kehren nicht zu ihrem Spawnpunkt zurück sondern bleiben dort stehen wo sie einen das letzte mal gehauen haben). Ohne Hilfe (wie im LAN-Spiel möglich) hat man kaum eine Chance an seine Ausrüstung ranzukommen. Sollte man so mutig sein und es trotzdem versuchen, flucht man sehr schnell über die ungenaue Steuerung: läuft man an einem Mob vorbei und wird angegriffen, greift der Charakter automatisch an - und wenn es nur mit der Faust ist oder der Mob sogar noch ein wenig entfernt ist. Ein Weglaufen ist hier kaum gezielt möglich.
Wenn man nun viel Glück hatte und seinen Grabstein anklicken konnte, ist aber Weglaufen die einzige Option. Im Kontrast zu Diablo wo automatisch die alte Ausrüstung angelegt wird, landet hier alles im Inventar. Jeder Ausrüstungsgegenstand muss manuell per Doppelklick ausgerüstet werden...
Ich frage mich, warum die Gebiete nicht stufenweise aufgebaut sind. In Diablo wird man nacheinander immer schwereren Mobs gegenübergestellt. Hier ist der einfache Level 1 Mob neben zwei Champion Level 4

Das ein Mob ein Champion ist, erkennt man erst wenn man mit der Maus über den Mob geht - wer also die Mobmenge nicht vorher kritisch beäugt, kann schnell überrascht werden.
Schade eigentlich - insbesondere durch den vorhanden Coop-Multiplayer Mode klang das Spiel sehr interessant.
Meiner Meinung nach ist die Kameraführung, die schwankende Schwierigkeit sowie der Frustfaktor beim Sterben so schlecht und nervend, dass es bei als nicht mehr spielbar durchgeht.
Und somit kehre ich zurück zum Anfang: Spieletests in Zeitschriften.
Hier die Wertungen:
Gamestar: 82%
PC Action: 83%
PC Games: 78%
Also recht gut bewertet - bei solchen Werten würde ich besseres erwarten.
Fazit: das Spiel geht zurück an den Händler. Wieder ein Grund mehr Spiele nicht mehr einfach so im Laden zu kaufen - auch mit recht guten Testergebnissen